Chronik

Im Jahr 1924 erhielt der Ort Schallerbach von der Landesregierung das Prädikat „Kurort“ zuerkannt. Ab diesem Jahr setzte in unserem Ort rege Bautätigkeit ein und immer mehr Leute zogen nach Bad Schallerbach, die aus ihren Herkunftsorten die Idee des Jahn`schen Turnens mitbrachten.

So setzten sich im selben Jahr auf Anregung des Baumeisters und Ziegeleibesitzers Franz Faßl 15 Männer im ehemaligen Baderestaurant zusammen und hörten sich die Ausführungen des aus dem Turnverein Grieskirchen eingeladenen Rechtsanwaltes Dr. Hermann Peyrer-Heimstätt an. Dr. Peyrer erläuterte Zweck und Ziele der völkischen Turnvereine, wie sie damals genannt wurden. Dies war gleichzeitig die Geburtsstunde unseres jetzigen ÖTB Turnvereines. Erster Obmann war Franz Faßl.

Die Rahmenbedingungen für einen ordentlichen Turnbetrieb waren jedoch äußerst bescheiden. In den Wintermonaten, in denen kein touristischer Betrieb herrschte, wurde im neu errichteten Speisesaal des Hotel Post geturnt. Im Sommer jedoch fehlten geeignete Spiel- und Turnstätten. Trotzdem hielt der junge Verein mit Unterstützung des Grieskirchner TV ein Schauturnen samt Gartenfest bereits im Jahr 1925 ab. Es wurde ein großer Erfolg. 1927 hatte der junge Verein, der unter dem Mangel an fachlicher Betreuung litt, großes Glück. Leopold Schweitzer aus Neumarkt, der aus beruflichen Gründen nach Bad Schallerbach siedelte und bereits turnfachliche Erfahrung besaß, brachte frischen Schwung in den Verein. Mit den Turnbrüdern Hans Malzer, Hans Schimpl und Hubert Köglberger hatte er wertvolle Mitarbeiter. Im Jahr 1929 konnte ein Grundstück am rechten Trattnachufer erworben werden. Das „volkstümliche Turnen“ (heute Leichtathletik) wurde dadurch in den Sommermonaten möglich gemacht. Große Turnfeste wurden ab diesem Zeitpunkt beschickt. Ein riesiger Schicksalsschlag traf die Turngemeinde, als Obmann Franz Faßl, der den Bau einer Turnhalle übernehmen hätte sollen, bei der Rückkehr von der Bauverhandlung starb. Man steckte jedoch nicht auf und errichtete bis Ende 1932 eine Turnhalle, die etwas kleiner als geplant wurde. Eine Turnwiese ermöglichte das Faustballspiel. Laufbewerbe mussten jedoch nach wie vor auf öffentlichen Wegen ausgetragen werden.

Schwierige Zeiten kamen auf den Verein ab dem 8.August 1934 zu. Einstellung der Tätigkeiten, Vermögenssperre, Aufnahmesperre für Jugendliche unter 17 Jahren, waren nur einige Hürden, die der Verein nehmen musste.

bad schallerbach alt

Bad Schallerbach 1950

Die Mitgliederanzahl wuchs ständig an. Es wurde sogar ein eigenes Bezirksturnfest organisiert. Die Errichtung des Bad Schallerbacher Freibades ermöglichte auch ein Schwimmtraining.

Der Verein stand in seiner Blüte.  Ein 10 Mann starkes Turnerstreichorchester konnte sogar bei Faschingsveranstaltungen selber aufspielen. Das Vereinsleben schien in Ordnung, als 1938 die Umbenennung des Vereins auf „Deutscher Turnerbund Bad Schallerbach“ erfolgte und die zum Verein eilenden Bewerber von den Gliederungen der NSDAP abgeworben wurden. Nur noch eine kleine Schar langjähriger Turner blieb übrig. Das Vereinsleben erlosch gänzlich, als die Turnhalle zur Unterbringung von Kriegsgefangenen angefordert wurde.

 Der Neubeginn

1945 sollte der Verein aufgelöst und sein Vermögen beschlagnahmt werden. Der Auflösungsbescheid konnte jedoch nicht zugestellt werden, da sich der Obmann Leopold Schweitzer in russischer Kriegsgefangenschaft befand. Nach seiner Rückkehr bemühte er sich um das Weiterbestehen des Vereins, was ihm auch 1955 gelang. Mit neuen Satzungen des „Allgemeine Turnverein Bad Schallerbach 1924“ begann ein mühevoller Wiederaufbau. Die Turnhalle und der Turnplatz, die von den Besatzungsgruppen als Reitstall bzw. als Reitplatz benutzt wurden, mussten restauriert werden. Die Mitbenutzung der Liegenschaft durch den ATSV Bad Schallerbach stellte eine große Behinderung in der Weiterentwicklung des Vereines dar. Erst 1964 gelang es dem späteren Obmann Tbr. Erich Nickmann, die Gemeinde zum Ankauf eines Fußballplatzes für den ATSV zu bewegen. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Verein endlich freie Hand.

Dem unermüdlichen Einsatz des heutigen Ehrenobmannes Tbr. Erich Nickmann ist es zu verdanken, dass ab 1972 eine Großreparatur der Turnhalle stattfinden konnte.

Der Turnbetrieb erlebte neuen Aufschwung. Die Turnwarte Hubert Köglberger (1955- 1966), Erich Nickmann (1966 – 1977) sorgten für einen regelmäßigen Turnbetrieb in verschiedenen Riegen aller Altersgruppen.

Ab 1979 wurde an die Ausgestaltung des Freigeländes gegangen. Die Grundverhältnisse wurden geklärt und somit konnten eine 100m Laufbahn und 2 moderne Tennisplätze errichtet werden. (1980) Eine schöne Turnwiese, auf der Faustball gespielt werden kann (5 Jahre Meisterschaftsteilnahme) und auf der Veranstaltungen abgehalten werden, legen den Grundstein für ein weiteres Anwachsen des Vereines.

Turnhalle alt

Die turnfachlichen Bereiche übernimmt ab 1977 Tbr. Roland Nickmann. Bis zu 12 Turnriegen beleben den Turnboden. Die Julfeier und die Sonnwendfeier sind gegebene Anlässe, die erarbeiteten Leistungen der Riegen zu zeigen. Fixtermine im Veranstaltungskalender des Turnvereines sind die Jahnwanderung (das begehrte Jahnschild wurde bereits fünfmal gewonnen), Turnfeste und ausgeschriebene Meisterschaftstermine. Großartige Erfolge der von Tbr. Roland Nickmann ins Leben gerufenen Leistungsriege belegen die gute Arbeit der Vorturner. Wachsende Riegen stellten auch neue Platzanforderungen. Wieder war es Obmann Tbr. Erich Nickmann, der den Weiterausbau und den Anbau der Turnhalle vorantrieb. Subventionen von Land, Gemeinde und ASVOÖ sicherten die finanzielle Basis. Der enorme Einsatz der Turner ermöglichte eine rasche Fertigstellung des jetzigen Anwesens. (1985) (Foto). Obmann Erich Nickmann legte 1991 sein Amt nieder und kann zufrieden auf eine Entwicklung des jetzigen ÖTB TV Bad Schallerbach (Umbenennung erfolgte 1982) zurückblicken. Ohne seinen enormen Einsatz wäre eine derartige Entwicklung nicht möglich gewesen. Der Turnrat dankte es ihm mit dem Titel „Ehrenobmann“. Ab 1991 leiteten Josef Haselsteiner als Obmann und später Anneliese Nickmann den Turnverein. Aus beruflichen Gründen musste er das Amt zurücklegen.

Die Jahreshauptversammlung bestellte Mag. Roland Nickmann 1999 zum neuen Obmann, der seitdem die Geschicke des Vereins leitet. Mit viel Herzblut wurde an der Planung eines Umbaus und einer zusätzlichen Kunstturnhalle seit dem Jahr 2003 gearbeitet. Leider verstarb unser Hallenplaner Tbr. Lenz viel zu früh. Nach dem Einreichen von schließlich 3 verschiedenen Plänen und vielen Rückschlägen gab es Dank der Hartnäckigkeit von Obmann Roland Nickmann im Herbst des Jahres 2013 grünes Licht für den Bau. Nach den finanziellen Zusagen des Landes und der Gemeinde konnte schließlich im Mai 2014 mit dem Umbau, der Sanierung und des Zubaus einer Kunstturnhalle begonnen werden.

Turnhalle neu